Jour Fixe-III: Rückschau
Elektronische Lesegeräte und neue Geschäftsmodelle
Textunes stellt sich vor
Zum zweiten Mal in diesem Wintersemester wurde am 24.11.2010 vom Studiengang Buch- und Medienproduktion zum »Jour Fixe« geladen. Im neuen Medienzentrum war der Kinosaal bis auf den letzten der roten Kinosessel gefüllt, was die Brisanz dieses Vortrages widerspiegelte. Denn es ging um nichts Geringeres als den aktuellen Stand und die Zukunft des elektronischen Buches.
Passend zum Thema konnte Volker Opmmann, Geschäftsführer und Gründungsmitglied des Berliner Start-ups »Textunes«, für die Veranstaltung gewonnen werden. Dieser hatte einiges zu erzählen und erläuterte die aktuelle Situation auf dem eBook Markt sowie das Textunes-Unternehmenskonzept und seinen Ausblick für die nächsten Jahre.
Der Konsument steht im Mittelpunkt
Die Ausrichtung des Unternehmens ist für Oppmann klar: der Kunde steht im Mittelpunkt und soll zwischen den unterschiedlichen Plattformen der mobilen Endgeräte wählen und gegebenenfalls wechseln können. Das serverseitig bei Textunes gespeicherte »Personal Bookshelf« gibt dem Konsumenten diese Möglichkeit. Dort werden seine erworbenen Inhalte gespeichert und sind dann, ob auf iOS oder Android, mit den mobilen Endgeräten über die Textunes App abrufbar. Aktualisierungen können vom Nutzer heruntergeladen werden und auch die Bestellung der Printausgabe ist möglich und Bestandteil der Applikation. Textunes ist somit keine reine Lese App, sondern bietet daneben einen Buchladen und die persönliche Bibliothek als Features. An die Anbindung sozialer Netzwerke wurde natürlich auch gedacht.
Die Verlage sollen profitieren
Nicht nur der geneigte Leser kann mit der App aus dem Vollen schöpfen. Auch der Verlag soll nach Oppmann neue Möglichkeiten bekommen, seine Produkte zielgerichteter zu vermarkten. Durch die Funktion »Leseprobe« hat der Kunde die Möglichkeit eine solche herunterzuladen. Dadurch kann er das eBook ausgiebig anlesen und später entscheiden, ob er es wirklich kaufen möchte. Durch die Anbindung an soziale Netzwerke hat er außerdem die Möglichkeit, seinen Freunden zu zeigen, was er gerade liest oder ihnen gar direkte Buchempfehlungen unterbreiten. Die Downloads und deren Verlinkung in sozialen Netzwerken werden statistisch erfasst und ausgewertet. Damit erhält der Verlag genaue Erkenntnisse darüber, welche Produkte dem Leser besonders gefallen und wem er dies mitteilt. Gleichzeitig wird dadurch Werbung vom Kunden für das Produkt betrieben und der Verlag kann spezielle Zielgruppen festmachen um diese entsprechend zu bewerben.
Ein Umdenken über die Beziehung zum Kunden
Laut Oppmann sind jedoch noch lange nicht alle Probleme für das »Cross Plattform Publishing«, also das publizieren auf allen gängigen Plattformen, ausgeräumt. So sind die Auflösungen der mobilen Endgeräte sehr unterschiedlich und Randabstände beim Layout nicht variabel. Besonders für Typografie Fans ist zum Beispiel die Gestaltungsfreiheit zu eingeschränkt und Möglichkeiten, wie man sie im Druck vorfindet, liegen noch in weiter Ferne.
Ausblick
Trotzdem blickt Oppmann optimistisch in die Zukunft. So geht der Trend zu angereicherten Inhalten wie Audio-, Video- und Animationseinbindungen. Die Bedienkonzepte werden ausgereifter und über DRM wird ausgiebig diskutiert. Der Verkauf von Tabletcomputern werde stark ansteigen und die Verschmelzung von selbstleuchtenden und umgebungslichtabhängigen Bildschirmen sei schon geschafft. So wird zukünftig, laut Oppmann, die Unterscheidung von Tablet und eReader nicht mehr existent sein. Die Workflows müssten innerhalb der Verlage auch für eBooks optimiert werden, sodass eine interdisziplinäre Zusammenarbeit funktioniert. Das Empfehlungsmarketing müsse ausgebaut und dem Kunden mehr Service geboten werden. Der Kunde muss als freiwilliger Außendienstmitarbeiter gesehen und entsprechend behandelt werden.
zuletzt aktualisiert am 11.01.2011E-Mail an den Autor senden











