Jour Fixe-II: Rückschau
Anforderungen und Perspektiven in der Ausbildung zu Medienfachleuten
Mit einer Podiumsdiskussion wurde am 23.06.2010 das Thema »Ausbildung rund ums Buch« besprochen. Die Veranstaltung zeigte deutlich: Die Medienbranche bietet unzählige Ausbildungsangebote mit vielen Spezialisierungen, doch der Schulabgänger selbst muss sich hierfür frühzeitig interessieren und sich ein klares Bild verschaffen, um nicht in allen gebotenen Möglichkeiten unterzugehen.
Die Ausbildung beginnt schon in der Schule
Einleitend stellte Ines Starke von der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Leipzig zunächst einige der zahlreichen Berufe der Branche vor. Die Ausbildungszeit beträgt bei allen mindestens zwei Jahre und setzt ein Interesse an Technik, kaufmännischem Denken, Kommunikation und Datenverarbeitung voraus. Im Gegensatz zu anderen Branchen wird in der Medienbranche dabei eine Spezialisierung der Bildung vorgenommen. Ein Beruf wie der des Mediengestalters zeigt mit drei verschiedenen Spezialisierungen einen großen Bedarf, während jedoch der klassische Beruf des Druckers auszusterben droht.
Frau Starke stellte klar, dass es Aufgabe der Lehrer, Eltern, Schüler und der Wirtschaft sei, genaue Bilder über die vielen Berufsmöglichkeiten in Deutschland zu geben. So solle, laut der Referentin, bereits in der siebten Klasse eine Berufsorientierung angestrebt werden, die zum Beispiel in Form von Praktika eine frühzeitige Orientierung beiführen soll.
Unbegrenzte Möglichkeiten
In einer an den Vortrag anschließenden Diskussionsrunde besprachen Prof. Michael Reiche von der HTWK Leipzig, Dekan des Studienganges »Buch- und Medienproduktion«, Prof. Sylvia Strauß von der TU Chemnitz, an der kürzlich der Studiengang »Print- and Media Technology« eingeführt wurde, sowie Frau Starke die unterschiedlichen Berufsmöglichkeiten der Branche.
Hier wurde klar: die Möglichkeiten sind schier unbegrenzt und wachsen im Zuge der elektronische Publikation und anderer neuartiger Technologien immer mehr. Frau Starke betonte nochmals, dass jedoch die Schüler willig und fähig sein müssen, sich schon frühzeitig zu orientieren und somit den Überblick zu behalten. Prof. Reiche sieht im Bereich der Herstellung Zukunftspotenzial, da zum Beispiel die ausgelagerte Herstellung der Verlage mehr und mehr zurückgeht und somit wieder Experten direkt im Verlag gebraucht werden. So bietet der Studiengang »Buch- und Medienproduktion« durch seine Einmaligkeit in Deutschland gute Ausbildungsmöglichkeiten. Der neue Bachelor-Studiengang wurde dabei in intensiver Zusammenarbeit mit Unternehmen der Verlagsbranche abgestimmt und bietet durch die multimedialen Fähigkeiten der Absolventen eine zukunftsträchtige Berufswahl. Die meisten Absolventen bekommen sofort eine Festeinstellung in einem Verlag, aber auch ein Quereinstieg in einer Medienagentur oder sogar die Selbstständigkeit sind möglich.
Zusätzliche Qualifikationen

Frau Strauß hob hervor, dass sogar anschließend eine Promotion an der TU Chemnitz möglich sei. Und auch ihr Bachelor-Studiengang ist mittlerweile sehr praxisbezogen und bereitet die Studenten somit optimal vor. Die Tendenzen an beiden Hochschulen gehen folglich mehr und mehr in die frühzeitige Vermittlung der zukünftigen Angestellten. So wird beispielsweise an der HTWK fast jeder zweite Student von dem Betrieb übernommen, in dem er sein Praxissemester absolvierte. Prof. Reiche würde jedoch ebenso ein eigenes Promotionsrecht an Fachhochschulen begrüßen.
Des Weiteren kritisierte er, dass der sehr technisch ausgerichtete Studiengang von vielen Studenten unterschätzt würde. Viele Schüler hätten zu wenig Vorerfahrung und Interesse im Bereich Informatik und Technik; eine entsprechende Vorbereitung durch die Schulen sei essentiell.
Ständige Weiterbildung
Auch das Motto »Lebenslanges Lernen« wurde intensiv diskutiert. Sowohl vom BVDM (Bundesverband Druck und Medien) als auch von der IHK gibt es den Wunsch, an den Hochschulen mehr berufsbegleitende Aus- und Weiterbildungen anzubieten. Leider lässt sich dieser Wunsch derzeit noch nicht mit den an den Hochschulen üblichen Curricula sowie den begrenzten personellen Ressourcen vereinbaren. Zukünftig müssen die Hochschulen mit den Verbänden in eine stärkere Diskussion treten und versuchen, Lösungsmöglichkeiten für den Bedarf an berufsbegleitendem, lebenslangem Lernen zu finden.
zuletzt aktualisiert am 22.11.2010E-Mail an den Autor senden









