Jour Fixe-I: Rückschau
EBooks auf iPhone & Co. – Märkte, Produktion, Kosten, Zukunft
Nach langer Vorbereitung ging die Vortragsreihe »Jour Fixe Verlagsherstellung – Trends in der Buch- und Medienproduktion« am 16.12.2009 in die erste Runde.
Den fulminanten Auftakt bot Mathias Heubach von »heubach media«, der neben einer Firma für die Erstellung von Apps für iPhone und Co. auch den Verlag »blue panther books« in Hamburg führt.
Der Raum 3 im Haus des Buches war mit circa 100 Gästen gut gefüllt, die mit Spannung den stark umworbenen Vortrag erwarteten.
Der Vortrag startete mit einer interessanten Umfrage unter den Zuhörern; das Ergebnis: nur fünf Personen hatten bisher überhaupt schon ein vollständiges eBook gelesen, gerade einmal einer ein vollständiges Buch als App auf dem iPhone – und das war der Referent selber.
Hardware

Heubach machte in seinem anderthalbstündigen Vortrag schnell klar, dass eBooks nicht nur auf einem der bekannten Ausgabegeräte von Sony oder dem Kindle von Amazon gelesen werden können. Smartphones, wie das iPhone von Apple, bieten mit der Nutzung der anwendungserweiternden Applikationen, kurz App genannt, vom Lesen elektronischer Büchern zum herunterladen von Rezepten oder Spielen vielfältigste Möglichkeiten. Doch die Möglichkeiten sind damit noch nicht annähernd erschöpft. Insbesondere das G1 von Google, das über das Betriebssystem »Android« läuft, aber auch andere Anbieter mit Produkten wie Blackberry oder Palm sind dem iPhone eine ernstzunehmende Konkurrenz. Umso wichtiger ist es deswegen, dem Nutzer neue Varianten auf dem Gebiet der erweiterten Anwendungsmöglichkeiten zu bieten. Eine entscheidende Rolle spielen dabei die Stores, in denen Apps teilweise kostenlos heruntergeladen werden können.
Software
Prinzipiell kann jedes Smartphone Apps laden. Die meisten Applikationen zeichnen sich dadurch aus, dass sie keine oder nur wenig Werbeanzeigen beinhalten. Doch wie finanzieren sich dann Anbieter wie Küchengötter.de von Gräfe und Unzer oder auch der SPIEGEL?
Mittlerweile haben sich drei Erlössysteme etabliert: Zunächst die Variante, für das Herunterladen der Apps an sich Geld zu verlangen; die weitere Nutzung ist dann kostenfrei. Im Gegensatz dazu existiert das Modell, dass zwar nicht für die Applikation, dafür aber das weitere Nutzen derselben Geld verlangt wird. Eine Abo-Version wird zum Beispiel vom Springer Verlag für die BILD- Zeitung genutzt, wobei der gleiche Preis wie für die gedruckte Version vom Kunden verlangt wird. Dies spiegelt wieder, dass der Trend dazu übergeht, dass digitale Medien verstärkt den gleichen Wert der analogen Produkte beigemessen bekommen, so wie häufig auch für eBooks derselbe Preis wie für die Hardcoverausgabe angesetzt wird.
Bei der dritten Variante sind Applikation wie Inhalt völlig kostenfrei.
Inhalte

Großer Wert wird auf User-Generated-Content gelegt. Der Kunde kann dabei viele Eigenschaften der Applikationen nach seinen eigenen Wünschen gestalten und kaufen.
Trotz der vielfältigen Nutzung von eBooks darf man die Bedeutung von PDFs nicht unterschätzen. Diese werden insbesondere auf PCs gelesen, ein Anstieg ihrer Verkaufszahlen wird in den nächsten Jahren erwartet.
Dies könnte auch ein interessanter Aspekt für Verleger werden. Eine Gefahr bilden dabei die »Phone Novels«, einem Trend aus Japan bei denen ein Autor ohne Verleger jeden geistigen Inhalt sofort auf dem eigenen Smartphone schreiben und veröffentlichen kann.
Mathias Heubachs informativer und unterhaltsamer Vortrag bot viel Stoff zum Nachdenken und kann hier heruntergeladen werden.
zuletzt aktualisiert am 22.11.2010E-Mail an den Autor senden






